Montag, 25. Februar 2008

Guten Morgen, du graue Schöne




Regenschauer ziehen über den Morgenhimmel. Die Pferderücken drücken sich unter der Last der schweren Tropfen. Ich ziehe den Kopf unter die Bettdecke. Nichts zieht mich in diesen Trübsinn hinaus. Vermeintliche Pflicht vielleicht? Bleib, wo du bist und rühr dich nicht. Ich zieht die Knie bis unter die Brust und die Bettdecke über den Kopf. Frühe Graureiher kreischen am Himmel über dem Haus. Was wollen die schon hier? Die Kirchenglocke schlägt schwermütig in die Trübnis hinein. Trübes Land, trübe Seelen, trübe Gedanken.
Aber doch; ich pelle mich aus den Federn. Guten Morgen, die graue Schöne, du Fürsprecherin meiner Seele. Die Pferde wiehern dunkel.
Später am Tag bricht die Sonne durch die Wolken. Unvermittelt. Meine Seele streckt sich ihr entgegen, tankt Kraft in tiefen Atemzügen. Weites Land, sonnige Seelen, helle Gedanken...

Samstag, 23. Februar 2008

http://www.webnews.de/kommentare/37774/0/Dschungelbuch-Balu-singt-Versuchs-mal-mit-Gemuetlichkeit-und-etwas.html

Zeit der Stille



Miriam Merkel: Das Glück der Unerreichbarkeit: "Wie kann es innerhalb der uns umgebenden Lebensbedingungen gelingen, den Zugriff auf das eigene Leben zu behalten? Wie können wir die Errungenschaften der technologischen Vernetzung, der umfassenden Erreichbarkeit nutzen und gleichzeitig den Blick für das Wichtigste bewahren? Wie schaffen wir es, aktiver Teil dieser Gesellschaft zu sein und gleichzeitig unser privates Leben gegen die Invasion der externen Ansprüche zu verteidigen?
Das alles kann nur unter einen Hut bringen, der die Kunst des Müßiggangs beherrscht. ... Es ist die heilige Stille der Passivität, die das Denken, die Konzentration und die Kreativität ermöglicht. Sie ist ein Gegenentwurf zur allgegenwärtigen Hast und Hetze einer wie auch immer gearteten Moderne dauerhafter kommunikativer Vernetzung. Und sie ist der Garant dafür, dass etwas möglich wird, was den Menschen ausmacht und vom Tier unterscheidet: Das Denken."

In vielen Stunden der Stille hat meine Seele in den letzten Wochen wieder atmen gelernt, ich denke wieder viele neue Ideen, freue mich auf Menschen und neue Vorhaben. Danke, mein Freund, dass ich in deinem Haus Zuflucht fand...

Donnerstag, 21. Februar 2008

Heilige Orte





Heute besuchten wir eine der ältesten Kirchen hier in unserer Umgebung in Zaue am Schwielochsee. Zaue, dieses kleine Dorf am Ende der Welt berherbergt diesen heiligen Ort, der eine jahrhunderte alte Geschichte atmet. Schon der monumentale Wehrturm beeindruckt den Besucher, doch noch mehr in Atem hält uns der Innenraum. Es muss hier zahlreiche gelangweilte Gottesdienstbesucher in der langen Geschichte gegeben haben, denn die Kirchenbänke sind "geschmückt" mit Einkerbungen, Namenszügen, Zeichen und allem, was Menschen so aus langer Weile in hölzerne Rückenlehnen schnitzen. Nun stehen diese Dummheiten selbstverständlich unter Denkmalschutz.
Die Wände der kleinen Hallenkirche sind geschmückt mit Malereien des hohen Mittelalters. Man erkennt sofort die Szenen des Kreuzweges. Wir können wirklich von Glück reden, dass Brandenburg niemals ein reiches Land war. So hatte man, als die Mode sich änderte, gerade mal genug Geld, um die nicht mehr benötigten Malereien überzupinseln. Und so kamen sie in den letzten Jahren wieder zum Vorschein. Den Innenraum bestimmt im weiteren ein Taufbecken aus dem 14. Jahrhundert: aus Granitstein gemeißelt, diente er früher zur Ganzkörpertaufe. Darüber schwebt ein Taufengel im herzigsten Bauernbarock... Diese Kirche, welch ein Kleinod in der spröden brandenburger Landschaft, von der es hier in dieser Gegend mehr als genug gibt. Felder, Wälder, Wiesen, Wasser, Tiere, kaum Menschen.

Vertrauen braucht Zeit




Ist das denn so schwer? Gestern sollte unser Schimmel nun doch mal annähernd alle Herdenmitglieder treffen. Vorsichtige Annäherung zuerst, doch keine Chance. Der Chef lässt ihn nicht in die Herde, treibt ihn immer wieder weg. Hufe fliegen durch die Luft, doch keiner wird ernsthaft verletzt. Dennoch muss Konny dem wilden Kampf ein Ende setzen. Es wird wohl noch viel Zeit brauchen, bis alle Rollen zur allseitigen Zufriedenheit wieder verteilt und akzeptiert sind. Ich denke, wir Menschen ticken auch nicht anders die Pferde, doch oft verletzten wir uns in unserem Rollenkampf so dauerhaft und tief, dass Vertrauen kaum noch eine Chance hat.

Montag, 18. Februar 2008

Lesen!

Hört doch nur diese wunderbaren Sätze aus Alessandro Baricco, wie gut er Menschen beobachtet:
"Denn Pekisch hatte, offen gestanden, keinen eigenen Ton. Er wurde langsam alt, spielte tausend Instrumente, hatte noch einmal so viel erfunden, hörte in seinem Kopf unzählige Töne schwirren, konnte keinen Ton sehen, was nicht das gleiche wie ihn hören ist, wusste, welche Farben die Klänge hatten, jeder einzelne, hörte sogar einen reglosen Stein klingen - doch einen eigenen Ton, den hatte er nicht. Das war keine einfache Geschichte. Er hatte zu viele Töne in sich, um seinen eigenen zu finden. Das ist schwer zu erklären. Aber so war es, und damit basta. Die Unendlichkeit hatte ihn verschlungen, diesen Ton, so wie das Meer eine Träne verschlingen kann. Da kann man lange versuchen, ihn wieder heraus zu fischen... man kann auch ein ganzes Leben damit zubringen." - wenn ich so nachdenke, schaue ich in diese Worte wie in einen Spiegel...